Die Nacht ist für Vampire und nicht für Sportler!

  • von: Rafael
  • am: 24.12.2010 01:29:43
  • in der Kategorie: Sport
  Sport ist gerade dann effektiv und gesund, wenn es zu richtigen Zeit betrieben wird. Das Training bzw. die Trainingseinheiten sollten sich, wenn möglich immer nach der biologischen Uhr des Menschen richten.

Ich beobachte immer häufiger, wie manche naive “SportlerInnen“ in dem Glauben etwas Gutes für seine Gesundheit und Ästhetik zu tun, sich auch noch Nachts in den sog. 24 Stunden Fitnessclubs bis zur Erschöpfung quälen und fordern! Es stellt sich jedoch die Frage, ob es wirklich so gut und gesund ist, sich als tagaktives Lebewesen selbst nach Mitternacht sowohl körperlich, als auch geistig zu verausgaben - die Antwort lautet eindeutig: NEIN!

Da wir Menschen, wie schon eben erwähnt, als tagaktive Lebewesen von Morgens bis Abends leistungsbereit sind, bedeutet dass, das körperliche Aktivitäten auch zu diesen und nicht späteren Zeiten ausgeübt werden sollten. Denn das Training ist nur dann effektiv und gesund, wenn es auf den menschlichen Biorhythmus abgestimmt ist.  

Unser Organismus befindet sich stets in einem von zwei möglichen Zuständen. Dem Sympathikus oder Parasympathikus. Funktionell kann man sich beide als so genannte Antagonisten vorstellen, das heißt ihre Wirkungen auf die verschiedensten Organe sind meist gegensätzlich. Der Sympathikus versetzt den Körper in einen Zustand höherer Aufmerksamkeit und Fluchtbereitschaft, der Parasympathikus hingegen drosselt die allgemeinen Funktionen und bringt den Menschen in einen Ruhezustand.

Der Sympathikus ist also der Arbeitszustand. Schaltet er sich ein, steuert der sympathische Strang des vegetativen Nervensystems in unserem Körper eine ganze Reihe von Vorgängen. Die Blutmenge verschiebt sich von den inneren Organen nach außen in die Muskeln, die Verdauungsorgane stellen ihre Arbeit weitgehend ein, es werden vermehrt Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol produziert, die Körperkerntemperatur steigt und sowohl Herzfrequenz, als auch Blutdruck sind erhöht.

Trainieren sollte man in der Phase des Sympathikus. Während der Nacht befindet sich der Körper in der Erholungsphase, die etwa eine Stunde nach dem Frühstück ihren Abschluss findet. Danach steigt die Leistungsbereitschaft, sinkt gegen Mittag wieder etwas ab und steigt am Nachmittag nochmals an, um schließlich gegen Mitternacht an ihren Tiefpunkt anzugelangen. Weshalb man auch spätestens ab dieser Uhrzeit nicht mehr trainieren sollte.

Ab jetzt steuert der Parasymphatische Strang des vegetativen Nervensystems seine relevanten Vorgänge. Das Blut kehrt von den äußeren Regionen in den Verdauungstrakt zurück, der Adrenalinspiegel sinkt, es wird vermehrt das Hormon Melatonin gebildet, die Muskulatur entspannt sich, der Blutdruck fällt leicht ab, die Herzfrequenz wird reduziert, der Stoffwechsel wird verlangsamt, die Körperkerntemperatur wird herabgesetzt und der Körper entspannt sich.

Physiologisch richtig und als Idealzustand wäre es also, jede Phase so lange auszuleben, bis sich die andere von selbst einschaltet! Und auch wenn es in unserer hektischen Zeit, vielen Menschen durch Beruf und Stress im Alltag, sehr schwer fällt, so sollte man dennoch immer bestrebt sein, den Sympathikus und Parasympathikus im Gleichgewicht zu halten, denn ein harmonisches Verhältnis zwischen Spannung und Entspannung, Leistung und Erholung, Arbeit und Ruhe, sind wichtige Voraussetzungen für Gesundheit und seelisches Wohlbefinden.

Aktuelle Studien und persönliche Erfahrungsberichte legen nahe, dass es durch Stress und permanente Leistungsüberforderungen, wie sie durch dauerhafte Mitternachts-Trainings-Einheiten hervorgerufen werden, zu einer Störung und Fehlregulation des vegetativen Nervensystems kommt. Hält dieser Zustand über längere Zeit an, könnten dadurch schwer wiegende funktionelle und organische Störungen, wie z.B. Bluthochdruck, Herzstolpern, Migräne, Hitzewallungen, erhöhte Cholesterinwerte, Fettstoffwechselproblematik, Ödemneigung, Schlafstörung, hormonelle Schwankungen, Leistungsabfall und Depressivität entstehen.

Fazit: Sport ist und bleibt gesund, doch nicht nur auf die Dosis sollte man achten, sondern auch zu welchen Tageszeiten es betrieben wird!

Ps. Entsprechend der physiologischen Leistungskurve ist der frühe Abend fürs Muskelaufbautraining optimal und der Morgen für moderaten Ausdauersport.

In diesem Sinne, mit freundlichen Grüßen und eine Gute Nacht!

Ihr Rafael Klemenczak

 

Quelle: Prof. Dr. Ingo Froböse ISBN: 978-3-8338-1146-3, Prof. Dr. Otto Benkert ISBN: 3-406-53639-5, Werner Kieser ISBN: 3-453-17424-0