Dicke Bäuche leben gefährlich

Schon lange ist bekannt, dass die überflüssigen Pfunde im Bauchbereich viel gefährlicher sind als zum Beispiel das Fett an den Hüften oder Oberschenkeln. Eine Studie aus den USA hat jetzt eine weitere Erklärung geliefert, warum dies so ist.

Das Bauchfett  sendet erheblich mehr Entzündungsbotenstoffe aus – und fördert so direkt Typ 2 Diabetes und Arteriosklerose. Entgegen früherer Annahmen ist das Fettgewebe alles andere als nur ein „träger“ Energiespeicher. In den Fettzellen werden zahlreiche Substanzen hergestellt, die verschiedenste Prozesse im Körper beeinflussen. Dazu gehören auch sogenannte Botenstoffe, die Insulinresistenz und chronische Entzündungsprozesse triggern können. Chronische Entzündungsprozesse sind die Grundlage der Arterienverkalkung mit Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Es gibt mittlerweile Hinweise aus zahlreichen Studien, dass die Fettzellen im Bauchbereich  besonders viele gefährliche Botenstoffe aussenden. In der Praxis spielt daher auch zunehmend die Abschätzung des Bauchfetts eine Rolle, zum Beispiel anhand der Messung des Taillenumfangs. Ein Bauchumfang von mehr als 94 Zentimetern geht bei Männern mit einem erhöhten Risiko für Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislaufereignissen einher. Liegt der Bauchumfang bei mehr als 102 Zentimetern, gilt das Risiko sogar als deutlich erhöht. Für Frauen liegen die entsprechenden Grenzen bei 80 Zentimetern (erhöhtes Risiko) bzw. 88 Zentimetern (deutlich erhöhtes Risiko).

Beim Bauchfett spielt eine zusätzliche Rolle, wo sich die Fettdepots genau befinden. In Untersuchungen konnten Fettabsaugungen des Unterhautfetts zum Beispiel nicht zu einer Risikoverringerung beitragen. Für die erhöhte Diabetes- und Herz-Kreislaufgefährdung wird daher vor allem das sogenannte viszerale Fett verantwortlich gemacht. Hierbei handelt es sich um Fettdepots, die die inneren Organe im Bauchbereich umgeben. Wissenschaftler um Luigi Fontana haben in den USA eine Studie mit 25 stark übergewichtigen Personen durchgeführt, um die Rolle des viszeralen Fetts näher zu untersuchen. Alle Studienteilnehmer (mittlerer BMI: 54.7 kg/m2) unterzogen sich einer Magenbypass-Operation, um Gewicht abzunehmen. Bei dieser chirurgischen Technik werden Magen und Dünndarm durchtrennt und neu miteinander verbunden. Ziel der Operation ist es, die Nahrungsaufnahme und Nahrungsverdauung einzuschränken.

Während des Eingriffs wurden Blutproben aus der sonst schwer zugänglichen Portalvene entnommen, die das Blut aus dem viszeralen Fett sammelt und zur Leber weiterleitet. Aus diesen Blutproben bestimmten die Wissenschaftler die Konzentration verschiedener Fettgewebsprodukte und verglichen die Werte mit Blutproben aus der Radialarterie, einer Arterie am Unterarm. Das Ergebnis: Die mit Produkten aus dem viszeralen Fettgewebe angereicherte Portalvene wies bei allen Studienteilnehmern eine deutlich höhere Konzentration des Entzündungsbotenstoffs Interleukin-6 (Il-6) auf. Im Durchschnitt war die Il-6-Konzentration hier um etwa 50 Prozent höher als in der Radialarterie. Wichtig zu wissen: Il-6 ist einer der stärksten Stimulatoren der CRP-Produktion in der Leber. Erhöhte CRP-Werte sind wiederum eng mit Insulinresistenz, Typ 2 Diabetes, Bluthochdruck und Arteriosklerose verknüpft.

Das FAZIT der Wissenschaftler:
Das Bauchfett um die inneren Organe – auch viszerales Fett genannt – produziert besonders viele Entzündungsbotenstoffe, die Insulinresistenz und Arteriosklerose triggern. Eine Zunahme der viszeralen Fettdepots erhöht daher auch direkt das Risiko für einen Typ 2 Diabetes und für Herz-Kreislauferkrankungen.

 

Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung. Weitere Quellen: Fontana L, Eagon JC, Trujillo ME et al. Visceral fat adipokine secretion is associated with systemic inflammation in obese humans. Diabetes 2007; 56: 1010-1013