Keine Bettruhe bei Rückenschmerzen

Nach einer Umfrage aus dem Jahr 2006 leiden im Durchschnitt 69 Prozent der Bundesbürger gelegentlich an Rückenschmerzen. Von chronischen Rückenschmerzen sind etwa 30 Prozent der Befragten betroffen.

Etwa 30 % der der Bevölkerung in Deutschland leiden unter Rückenschmerzen, die daraus entstehenden Kosten für Behandlung und Krankengeld belaufen sich auf fast 20 Milliarden Euro pro Jahr. Eine echte Volkserkrankung also, deren Bild jedoch immer noch von Vorurteilen geprägt wird. Schon das gängige Verständnis von den physiologischen Ursachen der Rückenschmerzen ist überholungsbedürftig. Denn hier bemühen Ärzte gerne das Bild vom „Verschleiß“, wonach sich die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern im Laufe der Jahre immer weiter abnutzen, bis es zu Schmerzen kommt.

Aber: Befund und Befinden stimmen hierbei nur ausgesprochen selten überein. Die mittels Röntgenstrahlen, Computertomografie oder Kernspin entstandenen Bilder zeigen degenerative Wirbelsäulenveränderungen bei über 30 % der Patienten, obwohl diese überhaupt keine Beschwerden haben. Mit anderen Worten: Der Wirbelsäulenverschleiß mag wohl als weit verbreiteter Alterungsprozess nicht mehr zu leugnen sein, doch zu Erklärung von Rückenschmerzen taugt er nur wenig. Vielmehr scheinen nach neusten wissenschaftlichen Untersuchungen Rückenbeschwerden vor allem in muskulären Verspannungen begründet zu sein; und diese kommen entweder durch Bewegungsmangel oder – auch bei Sportlern – durch einseitige oder falsch ausgeführte Bewegungsabläufe zustande.      

Neusten Untersuchungen zu Folge ist Bettruhe bei Rückenschmerzen, auch bei akuten Vorfällen wie etwa Ischiasproblemen und Hexenschuss, genau das falsche. Denn Schonung verlängert den Krankheitsverlauf. Besser ist es, so weit wie möglich aktiv zu bleiben, um den natürlichen Heilprozess an der Wirbelsäule zu unterstützen. Eine finnische Studie dokumentiert, dass langfristig diejenigen Rückenpatienten den besten Krankheitsverlauf zeigen, die trotz Schmerzen ihren gewohnten Alltagstätigkeiten nachgehen. Am schlechtesten ging es hingegen jenen Patienten, denen völlige Schonung und Bettruhe verordnet wurden.


Quelle: Dr. Jörg Zittlau. Dieter Trzolek, Heilpraktiker und Physiotherapeut. ISBN: 3-517-06753-9