Kennen Sie Ihren Homocysteinwert

Jeder zehnte Bundesbürger hat zuviel Homocystein im Blut. Noch dramatischer sind die Zahlen bei Menschen, die an einer Gefäßkrankheit wie Arteriosklerose leiden. Hier findet man bei fast 50 Prozent der Patienten überhöhte Homocysteinwerte, berichteten Experten kürzlich auf einem Fachkongress in Saarbrücken.

In hohen Konzentrationen wirkt Homocystein ähnlich wie Cholesterin. Es greift die Wände der Blutgefäße an, fördert so die Arterienverkalkung und steigert das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Dennoch ist das Homocystein hierzulande als wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen noch weitgehend unbekannt.

In den USA, Kanada und einigen weiteren Staaten hat man das Problem schon vor mehreren Jahren erkannt. Dort wird den Grundnahrungsmitteln seitdem das Vitamin Folsäure zugesetzt. Gemeinsam mit den Vitaminen B6 und B12 ist die Folsäure der wichtigste Gegenspieler des Homocysteins im Körper. Erste Ergebnisse zeigen: Seit Beginn der Vitaminanreicherung hat sich die Folsäure-Versorgung der Amerikaner erheblich verbessert, die Homocysteinwerte verringerten sich und das Herzinfarktrisiko wurde deutlich gesenkt. Auf diese Weise konnten inzwischen mehr als 26.000 Todesfälle durch Herzinfarkt oder Schlaganfall vermieden werden.

Homocystein entsteht im Körper jedes Menschen als normales Abfallprodukt des Stoffwechsels. Üblicherweise sorgen die Vitamine B6, B12 und Folsäure dafür, dass das Homocystein rasch abgebaut beziehungsweise ausgeschieden wird. Folsäure findet sich vor allem in frischem Obst und Gemüse. Mehr als 700 Gramm täglich müsste man davon zu sich nehmen, um genügend Folsäure aufzunehmen. Das Vitamin ist allerdings sehr wärme- und lichtempfindlich, weshalb bei der Zubereitung viel davon verloren geht.
 
Vitamin B6 ist in Vollkorn- und Hefeprodukten enthalten, Vitamin B12 überwiegend in Fleisch. Neue Untersuchungen zeigen, dass B12 eine ebenso große Bedeutung für die Regulation des Homocysteinspiegels hat wie Folsäure. B12 wird hauptsächlich über den Magen in den Körper aufgenommen. Etwa 30 Prozent der alten Menschen leiden allerdings unter einer Gastritis, einer Magenentzündung, die die Vitaminauf-nahme erheblich erschwert. Oft kommt es deshalb in höherem Alter zu einem ausge-prägten B12-Mangel.

Experten raten deshalb Menschen, die an weiteren Risikofaktoren wie Bluthochdruck leiden oder bei denen Herzkreislauf-Erkrankungen in der Familie bekannt sind, vorsorglich den Homocysteinwert mit einem Bluttest von einem Arzt messen zu lassen. Ist der Wert zu hoch, empfehlen die deutsch-österreichisch-schweizerische D.A.CH.-Liga und die amerikanische AHA (American Heart Association) die Einnahme von 0,4 bis 5 Milligramm Folsäure, 10 bis 25 Milligramm Vitamin B6 und 0,05 bis 1 Milli-gramm Vitamin B12 pro Tag. Verwendet werden sollten dafür vornehmlich kontrollierte, als Arzneimittel zugelassen Präparate mit der Dreier-Kombination aus Folsäure und den Vitaminen B6 und B12. Solche qualitätskontrollierten Produkte gibt es rezeptfrei in Apotheken. Bei sehr hohen Homocysteinwerten kann es notwendig sein, dass der Arzt einen Therapie mit Vitaminspritzen beginnt, die ebenfalls die Dreier-Vitamin-Kombination in hoher Dosierung enthalten. Quelle: Autor. Dr. Ingolf Dürr; dgk

Ps. Der Homocystein-Spiegel steigt, wenn man nicht genügend Salat und Gemüse isst!



Quelle: Dr. Ingolf Dürr; dgk